Einführungen und Vorträge 2016/18

 
  1. Donnerstag, 8. November 2018, 20 Uhr, Zeughauskino + Wiederholung am Sonntag, 11. November, 15.00 Uhr. Reihe: Berlin.Dokument Nr. 83: Novemberrevolution BD 83 Novemberrevolution Handout.pdf – Die Aufnahmen von den revolutionären Ereignissen in Berlin Ende 1919 und der Wahl zur Nationalversammlung am 19. Januar 1919 vermitteln nur ein unvollständiges und politisch gefärbtes Bild der Revolutionstage, wurden sie doch  alle von der regierungsfreundlichen Messter-Wochenschau gedreht. – Mit der Komödie ANna Müller-Lincke kandidiert wirbt die populäre Schauspielerin für eine aktive Teilnahme von Frauen an der Wahl zur Nationalversammlung: Auch dies ein staatlich finanzierter Propagandafilm. – Mündiges Volk von 1931 rekapituliert die Geschichte der Weimarer Republik und wirbt für deren Leistungen: Der regierungsoffizielle Informationsfilm soll der antirepublikanischen Propaganda entgegenwirken. – 100 Jahre nach dem Beginn der Novemberrevolution blickt Juliane Henrich in koordinaten (2018) auf jenen Balkon des Stadtschlossen, von dem Karl Liebknecht 1918 die freie sozialistische Republik ausrief. Ein Flaneur schlendert durch das ehemalige Staatsratsgebäude der DDR und denkt über das Koordinatensystem der deutschen Geschichtskultur nach: „Mit Blick auf das neue alte Schloss, das für ein System steht, unter dem im 19. Jahrhundert in der Kongo-Konferenz die afrikanischen Kolonien neu aufgeteilt wurden und das nun, nach seiner Fertigstellung, Berlins ethnologische Sammlungen zeigen wird, versucht er sich einen Reim auf die Vermessung und Verteilung der Welt zu machen.“

  2. 1. bis 4. November 2018: Vortrag „Annotationen zu den Bauhausfilmen der Europa-Film AG 1924 und zur Filmarbeit der Bauhausschülerin Lore Leudesdorff“ auf der Tagung „Neues zum Film am Bauhaus“, Fotofabrique und Metropolis Kino Hamburg. – Handout Bauhaus Tagung 2018.pdf

  3. Mittwoch, 24. Oktober 2018, 20 Uhr, Zeughauskino + Wiederholung
    am Sonntag, 28. Oktober, 16.00 Uhr. Reihe Berlin.Dokument Nr. 83: Allein machen sie dich einBD 82 Allein machen sie dich Handout.pdf – Anfang der 1970er Jahre ist Kreuzberg ein armer Arbeiterbezirk mit wenig Freizeitmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche. Am 8. Dezember 1971 besetzen Lehrlinge, Schüler und junge Arbeiter das leerstehende ehemalige Schwesternwohnheim des Bethanien-Krankenhauses am Mariannenplatz in Kreuzberg. Die Besetzer nennen es Georg-von-Rauch-Haus, nach einem kurz zuvor nach einem Schusswechsel mit der Polizei gestorbenen Stadtguerillero. Es ist eine der ersten Hausbesetzungen in West-Berlin, als selbstverwaltetes Wohnkollektiv genutzt. Der ebenfalls im Kollektiv entstandene Film Allein machen sie dich ein (BRD 1972, R: Georg-von-Rauch-Haus-Kollektiv, 65') dokumentiert die Auseinandersetzungen mit dem Berliner Senat um die Legalisierung des Hauses, vor allem aber die Diskussionen unter den Bewohnern über die Selbstorganisation. Der Titelsong „Allein machen sie dich ein“ stammt von der Gruppe „Ton Steine Scherben“. – Der Agitprop-Film Kreuzberg gehört uns (BRD 1972, R: Klaus Bartels, Sigrid Fronius, Cristina Perincioli, 20’ ) versteht sich als Teil der Aktionen der Stadtteilgruppe Kreuzberg für ein selbstverwaltetes Kinder- und Schülerzentrum, das im Hauptgebäude des ehemaligen Bethanien-Krankenhauses Platz finden könnte: „Lasst euch das nicht bieten / ein leeres Bethanien / und immer höhere Mieten / Bethanien für alle / Bethanien für Kreuzberg!“ – Beide Filme waren weder fürs Fernsehen noch fürs Kino bestimmt, sondern wurden vor Jugendlichen und Initiativen gezeigt, um Gegenöffentlichkeit herstellen und Diskussionen anzuregen.
  4. 26.-28. September 2018: Vortrag "„Vorläufig eine Ausnahme“ – Frauen in der westdeutschen Dokumentarfilmproduktion der 1950er Jahre" bei dem Symposium "Raus aus dem Malestream" – Feministische Perspektiven im dokumentarischen Filmemachen" an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF. Zugleich Abschlusssymposium des DFG-Projekts „Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland 1945-2005“.

  5. Samstag, 22. September 2018, 18.30 Uhr, Zeughauskino + Wiederholung am Dienstag, 25. September 2018, 20.00 Uhr. Reihe Berlin.Dokument Nr. 81: Jugend-Zeit in Ost-Berlin81 Jugend-Zeit in Ost-Berlin Handout.pdf –Vier Filme über Ost-Berliner Jugendliche: Beobachtungen ohne besserwisserische Kommentare, neugierig und intensiv. Wenn jeder tanzen würde, wie er wollte, na! (Winfried Junge, 1972) beobachtet Jugendliche zwischen Beat und Gesellschaftstanz: hier genormt und steif, dort gelöst und ungezwungen. – Blues ist einfach leben (Helmut Heine, Bernd Maywald 1976) porträtiert die Engerling Blues Band. Die Bandmitglieder stellen sich in ihren Berufen vor und berichten, wie sie zur Musik und insbesondere zum Blues gekommen sind. Der an der Hochschule für Film und Fernsehen der DDR entstandene Film besucht die Band in ihrem Probenraum und dokumentiert Auftritte bei Konzerten.  – Ein weiterer Hochschulfilm Ansichten oder ich weiß nicht, ob es akzeptiert wird… (Dietmar Wolf, 1979) fragt nach den beruflichen und privaten Wünschen einer 17jährigen Absolventin der Staatlichen Ballettschule Berlin. Da ihre Familie in Berlin lebt, wünscht sie sich ein Engagement in der Stadt. Die Prüfungskommission schlägt dagegen Schwerin oder Weimar vor. Die junge Tänzerin bricht in Tränen aus, akzeptiert schließlich einen Alternativvorschlag. – Jugend-Zeit ... in der Stadt (Roland Steiner, 1979): Das ist nicht nur Abhängen, Tanzen und mit dem Moped durch das Viertel düsen. Ohne Scheu reflektieren die Jugendlichen über die neuen und ungewohnten Verpflichtungen auf der Arbeit, die Organisation ihres Alltags, übers Kinderkriegen, die Gestaltung ihrer ersten Wohnung und ihrer Zukunft.

  6. Montag, 10. September 2018, 19.00 Uhr, Kino Arsenal. Reihe FilmDokument von CineGraph Babelsberg: Maya. Ein Film vom deutschen Film-Nachwuchs (BRD 1957, Regie: Hans Carl Opfermann).FD 208 Maya Handout.pdf – Filmavantgarde von 1957: Der Film wurde als „kühner, modern gestalteter Film vom deutschen Nachwuchs“ beworben. Der Dokumentar-Spielfilm schildert die Erlebnisse eines ambitionierten Jungfilmers und der Schauspielschülerin Maya, seiner Freundin, in der Münchner Filmwelt. In der Rahmenhandlung kommentiert Werner Finck mit wortakrobatischem Witz auch deren amourösen Abenteuer. Sechs eingeschobene Kurzfilme u.a. von Franz Schömbs, Haro Senft und Herbert Vesely belegen, dass kreative Jungfilmer bereit stehen, um ihre avantgardistischen Ideen auch in einen abendfüllenden Film einzubringen.

  7. 23. August 2018: Vortrag mit Filmbeispielen "Geschichtslektionen. Die Novemberrevolution 1918/19 in Film und Fernsehen" (Deutsches Marinemuseum, Wilhelmshaven)

  8. Mittwoch, 1. August 2018, 20.00 Uhr, Zeughauskino + Wiederholung am Sonntag, 5. August 2018, 19.00 Uhr. Reihe Berlin.Dokument Nr. 80: Wer die Erde liebt (DDR 1973, R: Joachim Hellwig, 72’)80. Wer die Erde liebt Handout.pdf – Vom 28. Juli bis 5. August 1973 fanden in Ost-Berlin die X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten statt. Mit Wer die Erde liebt inszeniert die DEFA ein farbfrohes Erinnerungsalbum, das unter Verzicht auf einen Begleitkommentar eine bunte Auswahl der Ereignisse präsentiert. Als Kontrast zu den bunten Bildern rufen Schwarz-weiß-Szenen historische Ereignisse in Erinnerung und dokumentieren die Not der Welt. Es sei darauf angekommen, so der Regisseur Joachim Hellwig, mit der Kamera Wesentliches vom Festival zu erfassen und den politischen Gehalt für die künftige Zeit zu dokumentieren. Als „poetisch überhöht“ charakterisierte das Neue Deutschland den Film, als „Triumph der Freundschaft“ die Neue Zeit.– Frank Schöbel singt im Playback das Festival-Lied „Wer die Erde liebt“, Erich Honecker nimmt ein Bad in der Menge, die Kölner Gruppe „Floh de Cologne“ spielt Politrock und Angela Davis ruft auf deutsch zur internationalen Solidarität auf. Neben den offiziellen Aufmärschen und Paraden mit fröhlichen und jubelnden Teilnehmern fängt der Film auch private Momente ein und dokumentiert ein entspanntes Lebensgefühl. Im hochsommerlichen Berlin genießen viele Jugendlichen die ungewohnten Freiheiten, die ihnen das Festivals bietet.

  9. 7. Juli 2018: Vortrag Innovative Elemente im Kultur- und Dokumentarfilm der Bundesrepublik der 1950er Jahre auf dem Workshop "Dokumentarische Praktiken in medialer Transformation. Historische Entwicklungen und aktuelle Perspektiven" (Universität Hamburg, 6.-7. Juli 2018)

  10. Sonntag, 1. Juli 2018, 18.00 Uhr, Zeughauskino + Wiederholung am Dienstag, 3. Juli 2018, 20.00 Uhr. Reihe Berlin.Dokument Nr. 79: Berlin – Ost-Berlin: Jugendliche Rowdys und Kleinkriminelle – - BD 79. Rowdys in Ost-Berlin Handout.pdf Das 1968 in Kraft getretene Strafgesetzbuch der DDR führte auch den Straftatbestand des Rowdytums ein. Der Lehrfilm Im Dienste des Volkes (1970) rückt die alltägliche Arbeit eines Volkspolizeireviers in Berlin ins beste Licht. Herumlungernde Jugendliche haben einen Wartburg geklaut; die Fahndung endet mit der Festnahme der Autodiebe. Gezeigt werden auch die Bemühungen staatlicher Stellen, die Jugendlichen wieder auf die rechte Bahn zu führen. – In Sachen H. und acht anderer (1972) von Richard Cohn-Vossen beobachtet eine Gerichtsverhandlung von neun Jugendlichen von 16 bis 20 Jahren, die wegen Einbruch, Raub und Rowdytum angeklagt sind. Er zeigt die Jugendlichen auch an ihren Treffpunkt am Kollwitzplatz, von dem aus sie zu ihren Überfällen auf Homosexuelle aufbrachen. Der Film fordert dazu auf, auch die Schattenseiten der Gesellschaft wahrzunehmen und „keinen aufzugeben, nicht den kriminell gefährdeten und nicht den aus der Haft Entlassenen.“ – Durch zurückhaltende Beobachtung und einfühlsame Interviews stellt Wozu denn über DIESE LEUTE einen FILM? (1980) von Thomas Heise drei Kleinkriminellen vor. Sie berichten von ihren Einbrüchen und Prügeleien, aber auch von ihren Musikvorlieben. Der Film folgt ihnen zu ihrem Treffpunkt am Prenzlauer Berg sowie in ihre Stammkneipe. Bereitwillig geben sie Auskunft: Auf die Frage nach ihrer Zukunftsvorstellung wissen sie aber keine Antwort.

  11. Freitag, 11. Mai 2018, 18.30 Uhr, Zeughauskino + Wiederholung am Samstag, 12. Mai 2018, 18.30 Uhr. Reihe Berlin.Dokument Nr. 78: Berlin – Dein Filmgesicht (BRD 1979, R: Hans Borgelt)BD 78 Berlin – Dein Filmgesicht Handout.pdf – Film-Collage unter dem Motto „Wie der deutsche Tonfilm Berlin und die Berliner zeigt“. Die Kompilation mit Ausschnitten aus 48 Spielfilmen entstand 1979 zu „50 Jahre deutscher Tonfilm“. Der Versuch aber, mit Szenen aus Spielfilmen sowohl den Charakter des Berliners als auch das Gesicht der Stadt nachzuzeichnen, scheitert bereits mit dem Anspruch, Spielfilmausschnitte als dokumentarisch auszugeben. Als „stupende politische Instinktlosigkeit“ kritisierte die Frankfurter Rundschau die unkommentierten Sequenzen aus vielen nationalsozialistischen Spielfilmen. Trotzdem verlieh die Filmbewertungsstelle dem Film das Prädikat „Besonders wertvoll“: „Es entsteht ein Kaleidoskop von Eindrücken, die gleichzeitig Nostalgie wie Information vermitteln und verbinden, durch die Angaben über das Entstehungsjahr des jeweiligen Filmdokuments auch dessen geschichtliche Perspektive andeuten, aber dennoch – durch den verständlichen und berechtigten Verzicht auf Kommentar bedingt – die Interpretation des geschichtlichen Zusammenhangs vermissen lassen: ein Film, der – und hier treffen sich Ablehnung und Befürwortung des Prädikats – mehr Fragen aufwirft als löst.“ – Dieser merkwürdige Versuch eines Berlin-Porträts verweist auch auf die Schwierigkeit der westlichen Teilstadt, eine eigene Identität zu entwickeln. Heute bieten die zahlreichen Ausschnitte einen Schnelldurchgang durch viele Klassiker des Berlin-Films.

  12. 21. April 2018, Vortrag Kulturfilm und Kulturfilmer nach 1945: Re-Education ohne Neubeginn auf der Tagung "The Afterlives of National Socialist Film", 20.-21. April 2018, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam

  13. Freitag, 20. April 2018, 19.00 Uhr, Zeughauskino, Reihe FilmDokument von CineGraph Babelsberg: Mit dem Auto ins Morgenland. Eine Filmkonkurrenz mit Hindernissen (D 1926, P: Ufa) + Inschallah. Im Reiche der Kalifen (3. Akt) (D 1929) – FD 205 Handout.pdf – Die Direktion des „Ufa-Express“ am Potsdamer Platz lobt eine Prämie von 20.000 Mark für denjenigen ihrer Berichterstatter aus, dessen druckfertiger Filmbericht zu einem bestimmten Tag vorliegt. Die abenteuerliche Reise der beiden Konkurrenten führt von Berlin über Regensburg und Wien nach Belgrad. Über Bulgarien werden die Türkei und Konstantinopel erreicht. Weiter geht es durch die kurdischen Gebiete nach Teheran, wo beide mit der Eisenbahn eintreffen. Höhepunkt der zahlreichen Eindrücke aus dem Iran ist eine große persische Hochzeit. Schließlich besucht der siegreiche Berichterstatter noch einen Nomadenstamm im Elbrus-Gebirge. Siegfried Kracauer empfand die Aufnahmen „wie Illustrationen zu Tausendundeine Nacht“. Leider kämen die Wissbegierigen zu kurz, bemängelte der Film-Kurier: „Es schadet doch nichts, wenn man einer so kostspieligen Filmexpedition auch ein wissenschaftliches Reiseprogramm mitgibt, damit ein wenig Belehrung sich mit der Unterhaltung mischt.“ – Im Vorprogramm führt der dritte Akt des Expeditionsfilms Inschallah. Im Reiche der Kalifen von 1929 nach Bagdad. Fred von Bohlen schildert alltägliches Leben in der Stadt am Tigris und setzt sich beim Reinigen seiner Filmkamera und bei einem traditionellen Mahl selbst gebührend in Szene.

  14. 18. April, 20.00 Uhr, Zeughauskino. In Vertretung von Bénédicte Savoy Einführung das Programm "Berliner Museumsfilme der 1930er Jahre".

  15. Sonntag, 15. April 2018, 12.00 und 15.00 Uhr, Zeughauskino. Das Berliner Schloß – Große Kulisse für Politik und Propaganda.15. April 2018 Matinee Das Berliner Schloss Handout.pdf – Mit dem Bau des Humboldt Forums in der Mitte Berlins rückt das historische Berliner Schloss wieder in den Mittelpunkt des Interesses. Wie das Schloss gesehen und erlebt wurde – das lässt sich anhand des Mediums Film wunderbar erfahren. Vor allem als Symbol und Kulisse politischer Repräsentation spielte es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine zentrale Rolle. So bildete das Ensemble rund um das Schloss weniger ein lebendiges Stadtzentrum als eine Berlin-Kulisse, die zur Besichtigung oder zur Selbstdarstellung einlud. Viele filmische Stadtrundfahrten und Luftaufnahmen führten zum Berliner Schloss und der Lustgarten an der nördlichen Schlossseite entwickelte sich ab den 1920er Jahren zu einem beliebten Ort für Massendemonstrationen. Sowohl die Nationalsozialisten als auch die SED nutzten das Schloss als Hintergrund für propagandistische Inszenierungen. – Eine Veranstaltung des Museums des Ortes der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss in Kooperation mit dem Zeughauskino des Deutschen Historischen Museums.

  16. Sonntag, 1. April 2018, 19.00 Uhr, Zeughauskino + Wiederholung  am Dienstag, 3. April 2018, 20.00 Uhr. Reihe Berlin.Dokument Nr. 77: Lore Diener / Martha BiederBD 77 Handout Lore Diener Martha Bieder.docx – Lebenswege zweier „einfacher“ Berlinerinnen. Die 1908 geborene Lore Diener arbeitet als Fahrkartenverkäuferin bei der DDR-Reichsbahn. Sie wächst in einer Arbeiterfamilie in Berlin auf und engagiert sich in der proletarischen Jugendbewegung. Als Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus wird sie in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau eingeliefert, wo sie vergeblich versucht, die Lage der kranken und verhungernden Kinder zu verbessern. In West-Berlin bleibt sie ihrer kommunistischen Überzeugung treu und bekennt sich zur SED und deren West-Berliner Ableger. Als Verfolgte des Nazi-Regimes wird sie aber nicht anerkannt und bekommt auch keine Entschädigung (Die Stationen der Lore Diener, BRD 1975). – 1978 ist Martha Bieder eine der letzten Trümmerfrauen Berlins. Mit 68 Jahren arbeitet sie immer noch auf dem Bau. Beim Sieb- und Brecherwerk des VEB Kombinat Tiefbau in Rummelsburg steht sie am Förderband und sortiert Metallteile aus dem Bauschutt. Mit ruhiger Bestimmtheit behauptet sie sich in einem reinen Männerkollektiv. Dann kündigt sie. Bei ihrer Abschiedsfeier erleben wir eine einfache und bescheidene Frau, die nur zögernd von sich selbst erzählt. Wir sehen eine Arbeitswelt jenseits heroisierender Planerfüllung, anstrengend, dreckig und monoton, die Martha und ihre Arbeitskollegen klaglos ausfüllen. (Martha, DDR 1979)

  17. Sonntag, 4. März 2018, 16.00 Uhr, Zeughauskino + Wiederholung  am Dienstag, 6. März 2018
    , 20.00 Uhr. Reihe Berlin. Dokument Nr. 76: Unter den Linden – Geschichte und Geschichten. 3. Teil: Entscheidung am Tor (DDR 1970)- BD 74-76 Handout.docx. – Die dritte Episode des Geschichtsfeuilletons der DEFA Unter den Linden von 1970 kreist um rund um das Brandenburger Tor. Vorgestellt wird auch Berlins erstes Kino, das 1896 Unter den Linden 21 spielte. Der letzte Teil dieser für das Fernsehen der DDR realisierten Serie montiert vor allem Filmdokumente, etwa vom Elend des Mietskasernen und dem Prunk preußischer Militärparaden, Bilder vom Ersten Weltkrieg und eine Ansprache von Karl Liebknecht. Über die Novemberrevolution 1918 und die Arbeiterbewegung der 1920er Jahre springt der Film zur Bücherverbrennung 1933 auf dem Bebelplatz. Nach Kriegsende beginnen in Berlin die Aufräumarbeiten; an der Ruine des Stadtschlosses wird demonstriert. Der Bau der Berliner Mauer am 13. August auch am Brandenburger Tor wird als Friedensmaßnahme herausgestellt. – Vier Kurzfilme führen ins Kaiserreich und die gar nicht so goldenen Zwanziger Jahre. Die ersten Filmaufnahmen von Berlin zeigen 1896 u.a. das Leben und Treiben am am Alexanderplatz und den Aufzug der Wache Unter den Linden. Um 1910 wird auch eine der zahlreichen Paraden Unter den Linden gefilmt. Im November 1918 hält die Wochenschau Szenen aus den Revolutionstagen fest. Nur wenige Filme aber dokumentierten das Massenelend der zwanziger Jahre so eindrücklich wie Im Schatten der Weltstadt von 1928. (Foto: DRA)
  18. Sonntag, 11. Februar 2018, 16.00 Uhr, Zeughauskino + Wiederholung am Mittwoch, 14. Februar 2018, 20.00 Uhr. Reihe Berlin.Dokument Nr. 75: Unter den Linden – Geschichte und Geschichten. 2. Teil: Hoffnung auf den vierten Stand (DDR 1970) – - BD 74-76 Handout.docx. – Der zweite Teil der dreiteiligen DEFA-Fernsehproduktion Unter den Linden – Geschichte und Geschichten von 1970 präsentiert wieder bunt zusammengestellte Szenen, die sich zwischen 1788 und 1848 rund um Berlins Boulevard abgespielt haben. Am Brandenburger Tor stieg 1788 zum ersten Male in Berlin ein mit Wasserstoff gefüllter Freiluftballon auf. Ein Jahr später zieht Napoleon in die Stadt ein. Heinrich Heine spottet 1821 über die Spaziergänger Unter den Linden. 1836 schreibt sich Karl Marx an der Berliner Universität ein. 1843 publiziert Bettina von Arnim mit Dies Buch gehört dem König ihre Anklage gegen die Armut im Lande. Die Hoffnung ruht auf der Emanzipation des vierten Standes. Im Zeughaus findet 1844 die Allgemeine Deutsche Gewerbe-Ausstellung statt; vier Jahre später weht die Fahne der Revolution auf dem Schlossplatz. – Zu moderner Tanzmusik präsentiert sich Ost-Berlin als Weltstadt und Gäste aus aller Welt flanieren Unter den Linden. – In dem Kurzfilm Ansichtssachen (1973) porträtiert Armin Georgi die Stadt und ihre Bewohner und lässt sich dabei von den Texten Heinrich Heines leiten.

  19. 15. Januar 2018, Kino „Arsenal“, Reihe FilmDokument Nr. 203 von CineGraph Babelsberg, 19.00 Uhr. – FilmDokument Impuls unserer Zeit Handout.pdf – Der repräsentative Farbtonfilm IMPULS UNSERER ZEIT über Wesen und Bedeutung der Elektrotechnik entsteht 1959 als Auftragsproduktion des Hauses Siemens. Zahlreiche allgemeinverständlich aufbereitete Beispiele aus den Bereichen Stromerzeugung und Stromanwendung belegen die Leistungsfähigkeit des Unternehmens. Die von Josef Anton Riedl im Siemens-Studio für elektronische Musik komponierte Musik (Beratung: Carl Orff) unterstreicht die Modernität des Konzerns. Der mit spektakulären Mikro- und Makoraufnahmen aufwartende Informationsfilm belegt auch das neue Selbstbewusstsein der deutschen Industrie nach 1945. IMPULS DER ZEIT erhält 1960 den Deutschen Filmpreis als bester abendfüllender Dokumentarfilm.
  20. Sonntag, 7. Januar 2018, 18.00 Uhr, Zeughauskino + Wiederholung am Mittwoch, 10. Januar 2018, 20.00 Uhr. Reihe Berlin.Dokument Nr. 74: Unter den Linden – Geschichte und geschichten. 1. Teil: Mit einem Reitweg fing es an (DDR 1970) BD 74-76 Handout.pdf Die Geschichte Berlins wird am Beispiel der Prachtstraße Unter den Linden nacherzählt. Der erste Teil dieser dreiteiligen DEFA-Produktion von 1970 für das Fernsehen der DDR spannt den Bogen von der Entwicklung der Straße vom bescheidenen Reitweg zwischen Stadtschloss und Tiergarten bis zum modernen Stadtbild Ost-Berlins mit internationalem Flair. In revueartig inszenierten Bildern treten unter anderem Schlüter und Eosander, Leibniz, Lessing, Wilhelm von Humboldt, Schinkel, Käthe Kollwitz und Max Reinhardt auf. Dabei erhebt dieser farbige Bilderbogen durchaus einen dokumentarischen Anspruch: „Als die Linden auf kurfürstlichen Befehl gepflanzt wurden, da war keine Kamera Augenzeuge. Dennoch erlebt der Zuschauer alles so plastisch, als sei die Kamera dabei gewesen.“ – so der Dokumentarist Andrew Thorndike, der als künstlerischer Berater an der Produktion mitwirkte. – In ihrem an der Hochschule für Film und Fernsehen der DDR realisierten Kurzfilm Die Kollwitz und ihre Kinder (1971) beobachtet Christa Mühl, wie die Kinder unternehmenslustig und ohne Scheu auf der bronzenen Plastik der Künstlerin auf dem Kollwitzplatz im Prenzlauer Berg herumkraxeln. Die Regisseurin kontrastiert die überwiegend negativen Kommentare der Erwachsenen mit dem unbefangenen Spiel der Kinder. So werden ihre Beobachtungen auch zu einer Studie des DDR-Alltags.

  21. Samstag, 16. Dezember 2017, 18.30 Uhr, Zeughauskino + Wiederholung am Sonntag, 17. Dezember 2017, 20.00 Uhr. Reihe Berlin.Dokument Nr. 73: GIGANT BERLIN (BRD 1964, R: Leo de Laforgue) 73 Handout Gigant Berlin.pdfGigant Berlin (1964) ist der erste abendfüllende Farbfilm über West-Berlin. Leo de Laforgue, der bereits vor dem Zweiten Weltkrieg immer wieder die Stadt porträtiert hatte, stellt West-Berlin als eine dynamische und weltoffene Stadt vor, die aber noch unter dem Schock des Mauerbaus steht. Beklemmende Szenen vom Bau der Mauer begleitet er mit scharfen Angriffen gegen den Osten. Unter dem Schutz der alliierten Militärparaden paart sich trotzige Selbstbehauptung mit einem optimistischen Bekenntnis zur westlichen Moderne. Gigant Berlin ist ein widersprüchlicher, an Walter Ruttmanns Berlin. Die Sinfonie der Großstadt von 1927 angelehnter Film über den Alltag in der westlichen Teilstadt, die sich in ihrem Schicksal eingerichtet, aber keineswegs darin ergeben hat. Der enthusiastische Empfang des US-amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy am 26. Juni 1963 verleiht diesem Willen einen unvergessenen Ausdruck. – In Neues Leben wächst aus den Ruinen (1959) verfolgt Leo de Laforgue den Bau eines Büro- und Geschäftshauses auf einem Trümmergrundstück an der Joachimstaler Straße 10-12. Der Neubau für die Allianz-Versicherung an der Ecke Kurfürstendamm wird als „Eckpfeiler für ein neues pulsierendes Zentrum in einer Weltstadt" vorgestellt. Mit seinen 14 Stockwerken ist er das erste Hochhaus am Kurfürstendamm; heute steht der Bau unter Denkmalsschutz.

  22. Vortrag "Die Auftrags- und Wirtschaftsfilme von AFIFA und Ufa nach 1945" – Die Ufa. 100 Jahre Film, Politik und Unterhaltung. Internationale Tagung. Deutsches Historisches Museum 8.-10.12.2017

  23. Samstag, 4. November 2017, 20.00 Uhr, Zeughauskino + Wiederholung am Sonntag, 5. November 2017, 19.00 Uhr. Reihe Berlin.Dokument Nr. 72: Stadtumbau in Ost und West72. November 2017 Stadtumbau Handout.pdf – Aspekte der Stadtplanung und des Stadtumbaus in Ost- und West-Berlin. Verkehr. Problem einer Stadt zeichnet 1966 das komplexe Zusammenspiel der verschiedenen Verkehrsarten im Westteil der Stadt nach. Für den Bau der Stadtautobahn werden Breschen in die gewachsene Stadtstruktur geschlagen und die Straßenbahn als ein „Relikt aus Großvaters Zeiten“ stillgelegt. Sujets des Deutschlandspiegel 136/1966 porträtieren die Gedächtnis-kirche und die auf Altberliner Fassaden spezialisierte Malerin Hanna Ross. Drei Einzelsujets aus der DEFA-Wochenschau Der Augen-zeuge stellen die Straße Unter den Linden, die architektonischen Veränderung in Berlin-Mitte sowie moderne Bauten am alten Fischerkietz an der Mühlendammschleuse vor. Berlin – Hauptstadt der DDR I von 1968 ist Teil einer Reihe von Informationsfilmen über die baulichen Veränderungen in Ost-Berlin. Bei der Neugestaltung des Stadtzentrums im Lenin-Jahr 1968 „werden konsequent die Prinzipien des sozialistischen Städtebaus verwirklicht.“ Berlin wird zu einer Metropole umgebaut, „die den Entwicklungsstand des sozialistischen Staates deutscher Nation würdig repräsentiert.“ Vorgestellt werden u.a. der Straßentunnel am Alexanderplatz, das Hotel Stadt Berlin, das Haus der Statistik, der Laden- und Wohnkomplex Rathausstraße, der Fernsehturm und die neue Markthalle sowie die Bautätigkeit am Leninplatz.

  24. Donnerstag, 5. Oktober 2017, 20.00 Uhr, Zeughauskino, Reihe Berlin.Dokument Nr. 71: Gala unter den Linden (DDR 1977, R: Georg F. Mielke) - 71 Handout Gala unter den Linden.pdf – Repräsentativer DEFA-Großfilm in Orwocolor über die Deutsche Staatsoper Unter den Linden, der einige ihrer besten und populärsten Sängerinnen und Sänger in populären Szenen und Arien vorstellt. Zwischen den Auftritten werden Impressionen aus dem Haus sowie dem nächtlichen Berlin gezeigt. – Theo Adam singt die Arie "Auf denn zum Feste..." aus "Don Giovanni" von Mozart, Anna Tomowa-Sintow die Arie "Nur der Schönheit" aus "Tosca" von Puccini, Peter Schreier die Cavatine des Almaviva aus "Der Barbier von Sevilla" von Rossini und Ute Trekel-Burkhardt und Isabella Nawe führen eine Szene aus dem "Rosenkavalier" von Richard Strauss auf. Neben vielen anderen treten Fritz Hübner in "Die Zauberflöte", Martin Ritzmann in "Turandot" und Gisela Schröter in "Don Carlos" auf. Die zeitgenössische Oper fehlt aber ganz. – Das Nummernprogramm von Gala unter den Linden ist weitgehend mit statischer Kamera aufgenommen, die Regie verzichtet auf eine filmische Auflösung der Auftritte. Als „kostümiertes Konzert“ kritisierte ihn daher die Neue Zeit, die ihn dennoch milde als „noble Visitenkarte“ der Staatsoper auswies. Heute ermöglicht dieses Wunschkonzert ein Wiedersehen mit erstklassigen Interpreten, die überwiegend in den Original-Bühnendekorationen auftreten.

  25. Sonntag, 1. Oktober 2017, 20.00 Uhr, Zeughauskino, Reihe Berlin.Dokument Nr. 70: Deutsche Staatsoper Berlin – Geschichte und Geschichten70 - Handout Staatsoper Geschichtre und Geschichten.pdf – „Verwüstet ist das Gesicht dieser Stadt. Eine Landschaft voll tragischer Düsternis“ – so beschreibt der Kurzfilm Befreite Musik die Situation in Berlin unmittelbar nach Kriegsende: „Können Saiten erklingen, wo selbst der Stein zerrissen und aufgewühlt ist?“ Der Bericht über das Eröffnungskonzert der Deutschen Staatsoper im Admiralspalast vom 23. August 1945 bejaht diese Frage. – Zehn Jahre später, am 4. September 1955, wird die kriegszerstörte Deutsche Staatsoper Unter den Linden mit den Meistersingern von Nürnberg unter Franz Konwitschny wiedereröffnet. Die DEFA begleitet das Ereignis mit einem halbstündigen Farbfilm über die Geschichte des Hauses und seine Rekonstruktion unter Leitung des Architekten Richard Paulick. – BallettSolisten der Linden-Oper (1963) gewährt einen Einblick die künstlerische Arbeit des Balletts der Deutschen Staatsoper und seiner Chefchoreografin Lilo Gruber. – Ein Beitrag aus der Aktuellen Kamera des DDR-Fernsehens berichtet von der Uraufführung der Oper "Einstein" von Paul Dessau am 6. Februar 1974 an der Staatsoper unter der Regie von Ruth Berghaus, die auch ihre Konzeption vorstellt. 

  26. Vortrag "Die Montanunion im Film – Kohle und Stahl werben für Europa", Internationales Symposium "Stahl im Film. Ein Medium der (Unternehmens-)Kommunikation im europäischen Vergleich, Oberhausen und Hattingen, 8.-10.9.2017

  27. Freitag, 15. September, 18.30 Uhr und Sonntag, 17. September um 18 Uhr, Zeughauskino, Reihe Berlin.Dokument Nr. 69: Berlin: Blicke Einblicke Gegenblicke. BD 69 Blicke Gegenblicke Handout.pdfWas wird aus Westberlin? fragt 1963 die DEFA und prangert den Revanchismus in der westlichen Teilstadt an. Mit ständigen Provokationen beschwöre West-Berlin die Gefahr eines Dritten Weltkriegs herauf. Fünf Jahre später zeichnet Ostern 68 die Bundesrepublik
    und West-Berlin als Land voller Polizeigewalt. Die Anti-Springer-Proteste „gegen den drohenden Neo-Faschismus“ werden als gemeinsame Front gegen die „Notstandsdiktatur“ gedeutet. – Eine Entdeckung sind die Berlin-Filme von Fritz Illing und Werner Klett. 1964 beobachtet Illing in Sie heirateten in Gretna Green zwei junge Berliner, die ohne Einwilligung ihrer Eltern im englischen Gretna Green geheiratet haben. Er folgt ihnen bei der Arbeit und in der Freizeit, zeichnet ihre Geschichte und ihre Träume und Wünsche auf. Der Fotofilm Die ganze Stadt Berlin von Werner Klett aus den 1960er Jahren kommentiert die Berlin-Fotos des schwedischen Fotografen Bernard Larsson, der Berlin als „Versuchsbank für alle anderen Städte“ sieht. In Berlin Klammer auf Ost Klammer zu (1966) unternehmen Illing und Klett eine Stadtführung durch Ost-Berlin. In Die andere Hauptstadt (1966) bündeln sie Einzeleindrücke aus dem Ost-Berliner Alltag und kontrastieren sie mit historischen Tondokumenten und Ausschnitten aus Radio- und Fernsehsendungen der DDR.
  28. Sonntag, 27. August, 20.00 Uhr und Mittwoch, 30. August um 20.00 Uhr, Zeughauskino, Reihe Berlin.Dokument Nr. 68: West-Berlin in den schönsten Farben. – - 68. Handout West-Berlin in den schönsten Farben.pdf. – Das Programm beginnt in der Zeit des Biedermeiers: Mit seiner Kamera erkundet Th. N. Blomberg
    das berühmte Berlin-Panorama von Eduard Gaertner von 1834, das vom Dach der Friedrichwerderschen Kirche aus einen detailreichen Rundumblick auf die Mitte Berlins vorstellt (Panorama von Berlin, 1959). In den 1930er Jahren weilte der Journalist Paul Anderson als Student in Berlin. 1972 blickt er auf diese Zeit zurück und stellt fest: West-Berlin ist erneut eine moderne Weltstadt geworden, mit dem Ku’damm als neuem Zentrum (Paul Anderson: Ein Wiedersehen mit der Stadt, 1972). Den Kurfürstendamm porträtiert 1969 auch Wolfgang Kiepenheuer. Augenzwinkernd führt Günter Pfitzmann in Statistik einer Weltstadt (1962) durch das Zahlenwerk des West-Berliner Senats. Berlin-Impressionen (1962) stellt den Westteil der Stadt mit seinen zahlreichen Kontrasten in einer leichtfüßigen Montage vor. Im Stil der Swinging Sixties zeichnet auch Berlinoskop (1969) das „Kraftfeld einer Großstadt“: Die Werbefilmästhetik mit optischen Reizen, schnellen Schnitten und fetziger Musik hat nun auch die Stadtwerbung erreicht.
  29. 18. August 2017, 20.00 Uhr, Zeughauskino Berlin, Reihe FilmDokument von CineGraph Babelsberg: Die Stimme der Welt: Fox Tönende Wochenschau in Deutschland 1930-40 FilmDokument Fox Tönende Handout.pdf – Im September 1930 kommen in Deutschland die ersten Tonwochenschauen in die Kinos. Sie werden als "ein neues Element der Völkerverständigung und damit der Befriedung der ganzen Welt" begrüßt. Spätestens nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 erweist sich dies als Illusion. Die Fox Tönende Wochenschau ist die einzige ausländische Wochenschau, die in deutschen Lichtspieltheatern präsent ist. Die deutsche Filiale der amerikanischen Fox Movietone News wirbt mit dem Slogan "Die Stimme der Welt". Nach 1933 beugt auch sie sich den Propagandaanforderungen des Regimes. Die letzte Nummer erscheint am 27. Juni 1940. Aus den nur spärlich überlieferten Ausgaben bringt das Programm u.a. die erste Tonfilmaufnahme Adolf Hitlers am 7. Juni 1931, ein Flugtag in Berlin, Hindenburgs Geburtstag 1932, das Attentat auf Franklin D. Roosevelt im Februar 1933, Windkraftwerke zur Stromerzeugung sowie eine Fahrt mit der "Hindenburg" 1936 über deutsche Städte. 1936 stellt die Tobis-Melofilm in dem Kulturfilm Die Kamera fährt mit! die Arbeit der Wochenschau-Kameramänner vor. – Zur Aufführung gelangt auch ein kürzlich im Internet ersteigertes und nun im Bundesarchiv deponiertes Einzelsujet einer Fox Tönenden Wochenschau von Ende 1933. Das bisher vermutlich unbekannte 45 Sekunden lange Sujet "Berlin feiert Martin Luther" berichtet von einer Veranstaltung am 19. November 1933 im Berliner Lustgarten anlässlich des "Deutschen Luthertags". Im O-Ton ist ein Ausschnitt aus der Ansprache des Bischofs Joachim Hossenfelder, dem Mitbegründer der anti-semitischen Gruppe "Deutsche Christen", zu hören: "Martin Luther! Wir grüßen dich heute! Wir glauben, was du im Geist schautest, das ist nun Wirklichkeit geworden – um unserer Brüder willen, die in Deutschland so Großes geschafft haben unter ihrem Führer Adolf Hitler!"

  30. Donnerstag, 27. Juli 2017, 20 Uhr sowie Sonntag, 30. Juli, um 18.00 Uhr, Zeughauskino, Berlin: BerlinDokument 67: Ost-Berlin: Zwischen Pankow und Pergamon67. Zwischen Pankow und Permamon.pdf – In Die Aussicht (1966) blickt eine Berlinerin von ihrer Wohnung auf die Mauer an der Bernauer Straße; sie beschreibt den Alltag an der Grenze und erzählt aus ihrem Leben. In Pankoff (1966) befragt Harry Hornig Westdeutsche nach dem Ost-Berliner Stadtbezirk Pankow, der im Kalten Krieg abschätzig als Synonym für die DDR-Regierung verwendet wurde: Ihrer Unwissenheit stellt er das alltägliche Leben im Bezirk gegenüber. Beide Dokumentarfilme über deutsch-deutsche Sachverhalte konkurrierten 1966 bei den Westdeutschen Kurzfilm-tagen in Oberhausen. – Zwei Filme präsentieren den Altar von Pergamon. 1960 zeichnet Erich Legler die Entstehungsgeschichte des Altars und den Wiederaufbaus im Berliner Museum nach dem Zweiten Weltkrieg nach. Zwei Jahre später besucht auch der Dokumentarist Jürgen Böttcher das Pergamonmuseum. Sein Interesse gilt aber vor allem den Besuchern aus aller Welt und ihren Reaktionen auf die Kunstwerke der Antike. – Dann geht’s ins Grüne: Während Heinz Müller in Spielplatz (1965) die Atmosphäre auf dem Helmholtzplatz einfängt, beobachtet Trutz Meinl in dem Farbfilm Draußen in Berlin (1969) die liebenswert-seltsamen Freizeitgewohnheiten der Berliner.

  31. Sonntag, 25. Juni 2017, 18.30 Uhr sowie Mittwoch, 28. Juni, um 20.00 Uhr, Zeughauskino, Berlin: BerlinDokument 66: Es geschah vor der Deutschen Oper66 Handout Es geschah vor der Deutschen Oper.pdf – Vom 27. Mai bis 4. Juni 1967 besuchen der persische Schah Mohammad Reza Pahlavi und seine Frau Farah Pahlavi die Bundesrepublik und West-Berlin. Der Süddeutsche Rundfunk will das typische Drum und Dran eines solchen Staatsbesuchs in einem ironischen Feature festhalten. Während der Dreharbeiten rückt aber immer mehr das umfangreiche Polizeiaufgebot in den Fokus. In Berlin verzichten Regisseur Roman Brodmann und sein Team kurzentschlossen darauf, dem Empfang der Gäste in der Deutschen Oper zu drehen und filmen im Smoking die Auseinandersetzungen in der Bismarckstraße, bei denen der Student Benno Ohnesorg von dem im Zivil auftretenden Polizisten Karl-Heinz Kurras erschossen wird. Als „Schmunzelbeitrag“ geplant, wird DER POLIZEISTAATSBESUCH unversehens zu einem Dokument überzogener und willkürlicher Staatsgewalt. – Der vom Allgemeinen Studentenausschuss der Freien Universität Berlin produzierte Dokumentarfilm BERLIN 2. JUNI ’67 hält die brutalen Einsätze der Polizei gegen die Anti-Schah-Demonstranten fest, sichert Spuren, interviewt Augenzeugen und konfrontiert Schläger mit Film- und Fotodokumenten. Thomas Giefer und Hans Rüdiger Minow interpretieren die polizeilichen Übergriffe als „erste Versuche, den Notstand zu praktizieren, gegen eine außerparlamentarische Opposition, die ihn verhindern will.“ Der Film will Gegenöffentlichkeit herstellen und fordert die Zuschauer auf, die antidemokratischen Kräfte zu stoppen und Widerstand zu leisten.

  32. Mittwoch, 17. Mai 2017, 20.00 Uhr, sowie Samstag, 20. Mai, 18.30 Uhr, Zeughauskino, Berlin: BerlinDokument 65: Studenten filmen Berlin65. Handout Studenten filmen Berlin.pdf – 1954 wird in Potsdam-Babelsberg die Deutsche Hochschule für Filmkunst (DHF) gegründet; 1966 entsteht in West-Berlin die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb). In ihren Dokumentarfilmen erproben die Filmstudenten und -studentinnen einen neuen und unverbrauchten Blick auf Berlin und seine Menschen; deren Alltag rückt nun stärker in den Vordergrund. In West-Berlin lösen sich die Studierenden von der überkommenen Ästhetik des Kulturfilms, wie er im Vorprogramm der Kinos läuft, und den oberflächlichen Bildern der Tourismuswerbung. So hinterfragt Harun Farocki in Jeder ein Berliner Kindl (1966) die auf den Werbeplakaten der Kindl-Brauerei inszenierte Lebenswelt der Berliner. Ebenfalls 1966 beobachtet Holger Meins den Alltag des tuberkulosekranken Oskar Langenfeld in einem Kreuzberger Männerwohnheim. In Berlin unverkäuflich (1967) flaniert Irena Vrkljan durch ein schäbiges Berlin jenseits der Sehenswürdigkeiten, stößt auf jüngste deutsche Vergangenheit und entdeckt Kulissen für einen film noir. In zwei stummen Arbeiten erkunden Babelsberger Filmstudenten Ost-Berlin, ohne sich allzu weit von den tradierten Erzählmustern zu entfernen; auch ihre Bildmotive suchen sie vor allem in den zahlreichen Neubauten in Berlins Mitte. Berlin erwacht (1962, R: Hans-Jürgen Sasse) variiert ein klassisches Motiv des Städtefilms und konzentriert sich dabei aber auf den morgendlichen Arbeitsbeginn. Auch Begegnung mit Berlin (1965, R: Charles Owúsú) versucht die Arbeitswelt einzubeziehen. In Der A 57 (1966) begleitet Ekkehard Grandke einen BVG-Fahrer und seinen Schaffner auf der Fahrt mit der Buslinie A 57 durch Berlin – eine unpathetische Chronik eines Arbeitstages von vier Uhr morgens bis zur Pause an der Endhaltestelle.

  33. Freitag, 28. April 2017, 18.30 Uhr, Zeughauskino, Berlin: FilmDokument 195: Begegnung mit Deutschland (BRD 1958, R: Günther Schnabel) FD 195 Begegnung mit Deutschland Handout.pdf – Der farbige Dokumentarfilm Begegnung mit Deutschland entsteht 1958 im Auftrag des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung. In zahlreichen Sprachfassungen synchronisiert, sollte er vor allem im Ausland die politischen Ansichten der Bundesregierung propagieren. So wird auf den Landkarten Deutschland weiterhin in den Grenzen von 1938 vorgestellt. So wundert es auch nicht, dass dieser Informationsfilm die Bundesrepublik und West-Berlin von ihren schönsten Seiten zeigt: Pittoreske Orte, modernste Neubauten, leistungsfähige Industrie, hochstehende Kultur. Begegnung mit Deutschland ist aber auch ein Film auf der Suche nach einem Ort namens Deutschland. Von Norddeutschland geht es in die Alpen, dann an die innerdeutschen Grenze, schließlich nach West-Berlin mit seinen Ruinen, aber auch den Hochhäusern des Hansaviertels. Es folgen das Ruhrgebiet, schließlich Rhein und Mosel. Das Wohlige der Adenauer-Ära spiegelt sich in schönsten Agfacolor-Farben; der Alltag aber bleibt weitgehend ausgeschlossen. Der Regisseur Günther Schnabel präsentiert ein buntes Bilder-Potpourri zwischen Postkartenmotiven und dem Versuch, „die ganze Wahrheit zu zeigen“, wie es im Kommentar seines Bruders, des Schriftstellers Ernst Schnabel heißt. Dessen ausgefeilter literarischer Kommentar, der auch Deutschlands jüngste Vergangenheit nicht ausschließt, durchbricht häufig die nur auf Schönheit erpichte Kulturfilm-Ästhetik der Bilder. Mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ ausgezeichnet, ist Begegnung mit Deutschland auch eine Zeitreise zurück ins westdeutsche Wirtschaftswunderland.

  34. Mittwoch, 26. April 2017: Vortrag Der Stand der Dinge – Diskussionen und Positionen zum deutschen Filmerbe, auf der Veranstaltung "Das NRW-Filmerbe. Archivierung, Digitalisierung und veröffentlichung" am 26. und 27. April 2017 im Filmforum NRW, Kölm.

  35. Samstag, 8. April 2017, 18.30 Uhr, sowie Mittwoch, 12. April, 20.00 Uhr, Zeughauskino, Berlin: BerlinDokument 64: West-Berlin: Zwischen Ausbildung und Aufruhr64. Zwischen Ausbildung Handout.pdf – 1866 wird in Berlin der Lette-Verein "zur Förderung der Erwerbsfähigkeit des weiblichen Geschlechts" gegründet. Der Film Die Töchter des Herrn Lette (1956) stellt verschiedene Aspekte der Berufsausbildung an dieser Schule vor. In Berlin nutzt seine Chancen (1963) schildert Manfred Durniok, wie Deutschlands größte Industriestadt durch die Aufnahme ausländischer Studenten die Modernisierung der Entwicklungsländern fördert. 1965 präsentiert sich die Technische Universität Berlin als eine Einrichtung, die sich dem "Mut zum Experiment" verpflichtet fühlt. Wolfgang Ramsbott schwelgt in den Oberflächenreizen der technischen Apparaturen und Gerätschaften. – Zwei Studentenfilme der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) verlassen die ausgetreten Pfade des Informations- und Kulturfilms. In Gegen unendlich  (1968) reflektiert Joachim Wörmsdorf die Routine seines Studentenjobs beim Diakonischen Werk und seine Erfahrungen mit den alleinstehenden älteren Menschen, denen er täglich eine warme Mahlzeit bringt: "Ich sprach nur wenig, wie ich auch merkte, das es immer wieder die gleichen Worte, die gleichen Sätze waren, Worte wie "Einen schönen Tag", "Einen guten Appetit" und ein "Wiedersehen" wünschten – Worte, die dankbar aufgegriffen und zurückgegeben wurden." In dem Übungsfilm Farbtest. Die Rote Fahne (1968) lässt der Filmstudent Gerd Conradt Freunde und Kommilitonen mit einer Roten Fahne durch Steglitz und Schöneberg laufen – eine Provokation in einer Stadt, die ihre Identität in der strikten Abgrenzung gegenüber dem "Osten" sah und Reformvorschläge mit einem "Geht doch nach drüben!" quittierte.

  36. Sonntag, 2. April, Zeughauskino, 12.00 Uhr und 15.00 Uhr: Sonderprogramm „Vom Schloss des Königs zum Palast des Volkes”. Handout Film-Matinee 2.4.2017.pdf – Film-Matinée über das Berliner Schloss und seine Umgebung vor 1950. Kaiser Wilhelm II. ließ sich oft und gerne filmen, seine Berliner Residenz ist dagegen seltener im Film zu sehen. Auch vom Schlossinnern sind nur wenige Ansichten überliefert. Das Programm stellt die interessantesten Filme und aussagekräftigsten Ausschnitte vor. 1976 beschwört die DEFA-Produktion Palast der Republik – Haus des Volkes die proletarische Tradition des Schlossplatzes.

  37. Sonntag, 5. März 2017, 18.00 Uhr, sowie Dienstag, 7. März, 19.00 Uhr, Zeughauskino, Berlin: BerlinDokument 63: Auch das ist West-Berlin63. Auch das ist West-Berlin Handout.pdf – West-Berlin in den 1960er Jahren als Stadt der Kontraste: Neben den touristischen Höhepunkten bietet die Stadt zahlreiche versteckte Sehenswürdigkeiten, Berliner Chic trifft auf Kinderarmut und während in den Häfen und Werften gearbeitet wird, genießt der Flaneur die bunten Herbsteindrücke. – Sehenswürdigkeiten an den Ufern der Havel, darunter auch die 1972 abgerissene Gaststätte Schloss Brüningslinden sowie alte Dorfkirchen. In Brücke zur Sonne (1960) weist Hansjürgen Pohland darauf hin, dass mehr als 15000 Schüler aus West-Berlin noch nie verreist waren und sich mit Spielplätzen im Bauschutt und auf Hinterhöfen begnügen müssen. In einem Werbespot für das Modehaus Max Knaak stellen Mannequins den neuesten Chic vor der Akademie der Künste, am Schillertheater, auf dem Flughafen Tempelhof, vor der Kongresshalle, am Hotel Hilton sowie auf dem Tauentzien vor. Über Flüsse und Kanäle bringen Schleppkähne die so wichtigen Baumaterialien in die Teilstadt. Während Manfred Durniok durch die herbstbunte Stadt schlendert, stellt Gunther Hahn während auf einer Bootsfahrt das Spandauer Klein-Venedig als „rührendes Reservat naiver Romantik“ vor. In Kennen Sie diese Stadt? (1965) zeigt Jochen Severin nicht nur Gedächtniskirche und Funkturm, sondern führt die Zuschauer auch zu abgelegenen, aber nicht weniger interessanten Sehenswürdigkeiten.

  38. Dienstag, 7. Februar 2017, 20.00 Uhr, sowie Donnerstag, 9. Februar, 20.00 Uhr, Zeughauskino, Berlin: BerlinDokument 62: West-Berlin: Flanieren und Shoppen62. Flanieren und Shoppen Handout.pdf – Schon durch die Namensgebung verwies das zwischen 1961 und 1965 am Breitscheidplatz errichtete Europa-Center auf die Zugehörigkeit von West-Berlin zum freien Europa. Das heute unter Denkmalsschutz stehende Einkaufszentrum nach amerikanischem Vorbild stand mit seinem neuen Einkaufserlebnis und dem weithin sichtbaren Mercedes-Stern auf dem Dach setzte ein Ausrufungszeichen hinter die Ausstrahlung West-Berlins als Schaufester des Westens. Am 2. April 1965 durch den Regierenden Bürgermeister Willy Brandt (SPD) eingeweiht, bot es den Berlinern und den Besuchern der Stadt ein neuartiges Einkaufserlebnis. Der Film Europa-Center Berlin (1966), zeichnet seine Baugeschichte nach. Während Herbert Ernst und Fritz Illing in 3500 m Boulevard (1967) das Treiben am Kurfürstendamm mit indiskreter Kamera beobachten, zeichnet Wolfgang Kiepenheuer in Plädoyer für eine Straße (1968) die Geschichte dieses ehemaligen Reitweg zum Jagdschloss Grunewald nach. In Stunden des Boulevards (1970) fügt Jürgen Wagner seine am Ku’damm gesammelten Eindrücke zu einem Porträt von West-Berlins elegantester Geschäfts- und Vergnügungsstraße zusammen.

  39. Freitag, 13. Januar 2017, 18.30 Uhr, sowie Dienstag, 17. Januar, 20.00 Uhr, Zeughauskino, Berlin: Berlin.Dokument 61: West-Berlin: Alltag nach dem Mauerbau61. Handout West-Berlin Alltag nach.pdf – Der für ein amerikanisches Publikum bestimmte Informationsfilm Test for the West: Berlin (1962) erklärt die besondere politische Situation West-Berlins vom Potsdamer Abkommen über die Blockade und die Luftbrücke, dem Aufstand vom 17. Juni 1953 sowie dem Wiederaufbau West-Berlins mit Hilfe des Marshallplans bis zur Fluchtwelle aus der DDR und dem Bau Berliner Mauer. Die Inselstadt West-Berlin erscheint als eine moderne, lebensfähige und lebenswerte Großstadt, deren Freiheit sowohl politisch als auch militärisch von den Westalliierten geschützt wird. – Der amerikanische Propagandafilm The Wall (1962) erzählt aus der Perspektive der West-Berliner von ihrem Alltag nach dem Mauerbau. Die Kompilation aus zeitgenössischen Dokumentaraufnahmen wirkt auch heute noch durch ihre geschickte Montage und den emphatischen Kommentar. – Drei Jahre nach dem Mauerbau spielt die innerstädtische Grenze in Twenty for Hours in Berlin (1964) kaum noch Rolle. Der rund vierzigminütige Farbfilm gibt einen sinfonischen Querschnitt durch einen Tag in West-Berlin vom Arbeitsbeginn am frühen Morgen bis zu den nächtlichen Vergnügungen. Mit schnellen Schnitten, überraschenden Montagen und einem launischen Kommentar präsentiert er einen nie langweiligen Bilderbogen der Teilstadt; kein Berlin-Klischee und keine Sehenswürdigkeit wird ausgelassen. West-Berlin, so der Schluss-kommentar, sei eine Stadt, in der die Freiheit so selbstverständlich ist wie der tägliche Sonnenaufgang.

  40. Donnerstag, 15. Dezember 2016, 20.00 Uhr, sowie Sonntag, 18. Dezember, 18.00 Uhr, Zeughauskino, Berlin: Berlin.Dokument 60: Erstes Passierscheinabkommen 1963/64 60. Erstes Passierscheinabkommen Handout.pdf – Zum Jahreswechsel 1963/64 können West-Berliner zum ersten Mal ihre nächsten Verwandten im Ostteil der Stadt besuchen – 28 Monate nach dem Bau der Berliner Mauer. Möglich machte dies das erste Passierscheinabkommen, das am 17. Dezember 1963 zwischen der DDR und dem West-Berliner Senat geschlossen wurde. Auf Grundlage dieser zeitlich befristeten Vereinbarung werden zwischen dem 19. Dezember 1963 und dem 5. Januar 1964 etwa 1,2 Millionen Besuche von über 700.000 West-Berlinern gezählt. Das Abkommen kommt "ungeachtet der unterschiedlichen politischen und rechtlichen Standpunkte" zustande, wie es in den offiziellen Dokumenten heißt. Während der Westen mit der Vereinbarung, der bis 1966 noch drei weitere folgten, keine Anerkennung der DDR verbindet, wird sie von der östlichen Seite als diplomatischer Erfolg gefeiert: mit dem Abkommen hätte der Westen den Status West-Berlins als "selbstständige politische Einheit" anerkannt. So wundert es nicht, dass auch die Wochenschauen, Filmmagazine und Dokumentarfilme aus Ost und West diese erste Passierschein-Aktion unterschiedlich bewerten.

  41. Sonntag, 20. November 2016, 18.00 Uhr, sowie Mittwoch, 23. November, 20.00 Uhr, Zeughauskino: Berlin.Dokument 58: Kirche in geteilter Stadt59. Kirche in geteilter Stadt Handout.pdf – Während des Zweiten Weltkriegs werden etwa zwei Drittel der 285 Berliner Kirchen zerstört. Ende der 1950er Jahre sind im Westteil der Stadt bereits viele Kirchen wieder aufgebaut bzw. im modernen Stil neu errichtet. In Inseln des Glaubens (BRD 1959) stellt Rudi Flatow Gebetshäuser verschiedener  Religionsgemeinschaften vor, darunter auch die Synagoge in der Charlottenburger Pestalozzistraße, die der Vernichtung durch die Nationalsozialisten entgangen war. Noch unter dem Eindruck des Mauerbaus am 13. August 1961 entstanden, klagt Kirche in geteilter Stadt (BRD 1961) in scharfen Tönen Walter Ulbricht an; der Film stellt einige der Erschwernisse vor, mit denen die katholischen Kirche in West-Berlin zu kämpfen hat. Mit zahlreichen Berlin-Aufnahmen informiert Unter einem Dach (BRD 1964) über die umfangreichen Aktivitäten der Evangelischen Kirche, etwa über die Bahnhofs- und Stadtmission, einen Kirchentag in der Waldbühne, das Haus der evangelischen Jugend in Kladow und eine Predigt von Bischof Otto Dibelius. Im Ostteil der Stadt nähert sich Karlheinz Mund in Memento (1966) dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee. „Jüdischer Gesang erklingt, Zahlen schmerzen dem Gedächtnis, Erinnerungsarbeit wird vorsichtig in Gang gesetzt, und nicht nur die Arbeit eines Steinmetzen, dem Mund auf dem Friedhof zusah, verdeutlicht, daß die Vergangenheit kein abgeschlossenes Kapitel darstellt. Einzelne Einstellungen ungepflegter Grabmäler fielen der Zensur zum Opfer.“ (Hans-Jörg Rother)

  42. 5. November 2016, 18:30, Zeughauskino: Einführung Germanin - Die Geschichte einer kolonialen Tat (D 1943)

  43. Sonntag, 2. Oktober 2016, 20.00 Uhr, sowie Mittwoch, 5. Oktober, 20.00 Uhr, Zeughauskino: Berlin.Dokument 58: Geschichte(n) und Symbole58. Geschichte(n) und Symbole Handout.pdf – In dem Montagefilm Erinnerungen an eine bewegte Vergangenheit (BRD 1960) kontrastiert Manfred Durniok Aufnahmen aus der Nachkriegszeit mit Bildern des westdeutschen Wirtschaftswunders. Der Film verzichtet auf einen Kommentar; Zitate aus der Bibel warnen aber vor einem neuen Krieg. In Berlin – Brandenburger Tor. Die Geschichte eines Symbols (BRD 1962) wird Berlins Wahrzeichen als „Drehtür des Schicksals“ vorgestellt. Anhand von Stichen, Zeichnungen, Fotos und historischen Filmaufnahmen lässt Wolfgang Kiepenheuer deutsche Geschichte Revue passieren – ganz ohne das heute übliche Reenactment, mit einer pointierten Musik, aber leider auch mit einem recht oberflächlichem Kommentar. Der Fotofilm Fotograf im Jahre 0 (DDR 1965) dokumentiert Fotos von Otto Donath, der als erster deutscher Bildjournalisten im Mai 1945 im kriegszerstörten Berlin nach dem Motto fotografierte: „Einfach ranpirschen, und dann Apparat raus!“ Als Kommentar dienen die Originalbildunterschriften von 1945. In Ein alter Engel (DDR 1966) blickt Joachim Hadaschik anhand einer ins Depot abgeschobenen Viktoria-Skulptur aus dem Zeughaus auf die Geschichte des Hauses und des preußischen Militarismus zurück. Memorial (BRD 1969) stellt die Gedenkkirche Maria Regina Martyrum vor, die in der Nähe der ehemaligen Hinrichtungsstätte Plötzensee an den katholischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus erinnert.

  44. Berlin.Dokument Samstag, 17. September 2016, 18.30 Uhr, sowie Sonntag, 18. September, 16 Uhr, Zeughauskino: Berlin.Dokument 57: Berliner Künstler zwischen Auftrag und Wahnsinn57. Berliner Künstler Handout.pdf – Sieben Porträts von Künstlerinnen und Künstler, die in den 1960er Jahre in Berlin lebten und arbeiteten und deren Kunst Aufschluss über die Zeit gibt: Die Bildhauerin Ursula Hanke-Förster (1924-2013) erschafft Plastiken, die nicht nur in sich einen Raum
    bilden, sondern auch den sie umgebenden Raum mitbilden und beeinflussen wollen. Foto: Ursula Hanke-Förster: Jungen mit Drachen, Bronze, 1961 (Berlin-Lankwitz, Am Gemeindepark 18-22) – In ihrem Haus in Berlin-Heiligensee spricht die ehemaligen Dadaistin Hannah Höch (1889-1978) über ihre aktuellen Arbeiten. – Eine Kurzreportage folgt Hildegard Knef (1925-2002) bei einem Berlin-Besuch in die Philharmonie und ins Tonstudio. – Nach internationalen Erfolgen mit surrealen Bildern lebt der Berliner Malerpoet Friedrich Schröder Sonnenstern (1892-1982) zurückgezogen in West-Berlin „im Rausch der Armut, verstrickt in die Absurdität einer Vision, ein Narr für die einen, ein Weiser für die anderen.“ – Gemeinsam mit den Beschäftigten des VEB Holzwerk Berlin-Hohenschönhausen entwickelt Wolfgang Frankenstein (1918-2010) ein großes Wandbild für den Kultursaal des Betriebs. – Drei Jahre nach seinem Tod würdigt ein Filmporträt den Maler des Berliner Wedding Otto Nagel (1894-1967). – Der Gebrauchsgrafiker Werner Klemke (1917-1994) gewährt humorvolle Einblicke in seine Arbeit als Illustrator für Bücher, Programmhefte und Zeitschriften sowie als Bühnenmaler. –
  45. Freitag, 20. August 2016, 20.00 Uhr, Zeughauskino: Reihe "FilmDokument" von CineGraph Babelsberg: Natur in Gefahr! (BRD 1952, R: Eugen Schuhmacher) – der erste abendfüllende Naturschutzfilm der Bundesrepublik. Im Vorprogramm der Kurzfilm  Wasser – Landschaft – Leben (BRD 1955) zum Thema Wasserschutz. – FD 187 Natur in Gefahr Handout.pdfNatur in Gefahr (1952) versteht sich als Mahnruf zur Erhaltung der Landschaft und zum Schutz von Tier und Pflanze. Für den ersten abendfüllenden Naturschutzfilm der Bundesrepublik ist der Mensch auf dem besten Wege, die Natur und damit sich selbst zu vernichten: "Dieser Film, der ausschließlich in der Natur entstanden ist, will die drohende Gefahr dem Menschen unserer Zeit vor Augen führen. Er will die große Bedeutung des Schutzes der Natur aufzeigen und dazu beitragen, die häufig verloren gegangene Ehrfurcht vor der Schöpfung wieder zu erwerben." Der Bau von Staudämmen, die Begradigung von Flüssen und das Abholzen artenreicher Mischwälder hätten ebenso zum Verlust von Heimat und Brauchtum geführt wie wilde Müllkippen und rücksichtslose Freizeitgestaltung. Naturschutzmaßnahmen dagegen schützen und fördern „Gesundheit und Schönheit unserer gesamten Heimat“. Im Auftrag des Bayerischen Staatsministerium des Innern als Oberste Naturschutzbehörde gedreht, findet Natur in Gefahr eine weite Verbreitung auch in Schulen. – Der Kurzfilm Wasser - Landschaft - Leben (BRD 1955) fordert, bei größeren Eingriffen in die Natur durch Ausgleichsmaßnahmen wie Windschutzalleen bei der Aufforstung, Anpflanzen von Hecken und Buschwerk und Flachwasserzonen das biologische Gleichgewicht wiederherzustellen

  46. Sonntag, 14. August 2016, 20 Uhr, sowie Mittwoch, 17. August, 20 Uhr, Zeughauskino: Berlin.Dokument 56: Neubau Ost-Berlin 56. Neubau Ost-Berlin Handout.pdf – Zur Wiederöffnung der Deutschen Staatsoper 1955 stellt ein opulenter Farbfilm die aufwändige Rekonstruktion des kriegszerstörten Gebäudes vor. Geschichte, Wiederaufbau und Modernisierung der Komischen Oper sowie ihre festliche Wiedereröffnung 1966 stehen im Mittelpunkt einer Ausgabe des DDR-Magazins, das im Ausland für die Leistungen der DDR werben sollte. Drei durchaus professionell gedrehte Kurzfilme des Amateur-filmstudios beim Wohnungsbaukombinat Berlin dokumentieren den Neubau des Ost-Berliner Stadtzentrums rund um den Alexanderplatz – ein Renommierprojekt des sozialistischen Städtebaus. Die Filmexkursion Det sind wir (1965) vom Straußberger Platz bis Unter den Linden schicken die Amateurfilmer als Gruß an das Amateurfilmstudio in Riga. In Berlin-Melodie (1968) dokumentieren sie mit dem modernen Gesicht Ost-Berlins zugleich auch ein locker-beschwingtes Lebensgefühl. Ganz im offiziellen Stil des DEFA-Augenzeugen ist dagegen der dritte Teil ihrer Serie Rund um dem Fernsehturm gehalten. Er stellt u.a. die feierliche Übergabe der Berliner Markthalle und den Bau des Wohnkomplexes am Leninplatz vor. Deutlich unverkrampfter nähert sich der Farbfilm Kalle – Eine Geschichte für Neugierige (1970) dem Thema: Mit einer List schafft es ein 8jähriger Steppke, die geheimnisvollen Vorgänge hinter den zahlreichen Bauzäunen in Berlins Mitte zu ergründen. – Die Filme: Die deutsche Staatsoper. Eine architektonische Betrachtung DDR 1955, 7’  / DDR-Magazin 30/1967 DDR 1967, R: Hans Müller, 20’ – 35mm / Det sind wir DDR 1965, 7’ – digital file / Berlin-Melodie DDR 1968, 8’ – digital file / Rund um den Fernsehturm 3 DDR 1969, 25’ – digital file / Kalle – Eine Geschichte für Neugierige DDR 1970, R: Eckhard Potraffke, 19’ – 35mm

  47. Freitag, 22. Juli 2016, 18.30 Uhr, sowie Sonntag, 24. Juli,  20.30 Uhr, Zeughauskino: BerlinDokument 55. West-Berlin: Stadterneuerung oder Stadtzerstörung?55. Handout Stadterneuerung West-Berlin.pdf – Am Beispiel von West-Berlin beklagt der Architekturkritiker Ulrich Conrads den „Mord an der Stadt“. „Putzsüchtiger Modernisierungswille“ sowie „nüchternes Kalkül und missverstandene Fortschrittlichkeit“ zerstörten den überlieferten ornamentalen Zierrat der Fassaden. Im Krieg nicht oder nur kaum beschädigte Gebäude würden ihren historischen Charakter verlieren, die derart gereinigten Fassaden keine Geschichte mehr erzählen. Die neuen Schlafstädte seien nicht im Stande, städtisches Lebensgefühl zu vermitteln. Desillusioniert konstatiert Conrads: „Die trostlosen Hinterhöfe von Gestern wurden abgelöst von den sterilen Wohn-siedlungen des Heute.“ Sein Film Die gemordete Stadt (1965) nach Motiven des ein Jahr zuvor erschienenen gleichnamigen Buches von Elisabeth Niggemeyer, Wolf Jobst Siedler und Gina Angress ist ein wehmütiges Plädoyer für urbanes Leben in der Großstadt, verbunden mit der Hoffnung auf eine neue Stadt, in der man leben und die man lieben kann. – In Stadterneuerung Berlin – Beispiel Wedding (1966) weisen auch die Architekten Jan und Rolf Rave darauf hin, dass durch neue Siedlungen das Unverwechselbare der Städte verloren gehen kann. 1968 porträtiert Wolfgang Kaskeline den alten Arbeiterbezirk Kreuzberg als Spielwiese für Individua-listen. Im gleichen Jahr zeigt Peter Cürlis, wie mit der Gropiusstadt ein ganz neuer Stadtteil von Berlin entsteht. Die Filme: Die gemordete Stadt. Abgesang auf Putte und Straße, Platz und Baum BRD 1965, R: Manfred Durniok, Buch: Ulrich Conrads, 43’ – Blu-ray / Stadterneuerung Berlin-Beispiel Wedding BRD 1966, R: Wolfgang Kiepenheuer, 24’ – 16mm /  Berlin-Kreuzberg BRD 1968 R: Wolfgang Kaskeline, 9’ – file / Berlin-Buckow-Rudow – ein neuer Stadtteil BRD 1968, R: Peter Cürlis, 23’ - file

  48. Sonntag, 12. Juni 2016, 18.00 Uhr, sowie Mittwoch, 15. Juni,  20.00 Uhr, Zeughauskino: BerlinDokument 54: Deutschland – Endstation Ost54. Deutschland – Endstation Ost Handout.pdf – "Die DDR, mit den Augen eines Ausländers gesehen" – so lautete der Arbeitstitel eines ungewöhnlichen Dokumentarfilms, den der belgische Sozialist Frans Buyens 1963/64 in der DDR drehen konnte. In seinem Interview-Film Deutschland – Endstation Ost (DDR 1964, 84') lässt er Fabrikarbeiter und Kleinunternehmer, LPG-Bauern und ausländische Studenten ausführlich zu Wort kommen. Große Teile des Films entstanden in Ost-Berlin. Nur wenige Jahre nach dem Bau der Berliner Mauer befragte Buyens hier auch Grenzsoldaten nach dem Sinn dieser Maßnahme und des Schießbefehls. Zwar leistet Buyens keine kritische Auseinandersetzung mit dem System, die Außensicht eines Sympathisanten ermöglicht dennoch einen frischen und weitgehend unverstellten Blick auf die Lebenswirklichkeit der DDR. – Der Kurzfilm Dialog mit einem Grenzsoldaten (1967, R: Götz Oelschlägel, 17’) beruht ebenfalls auf Interviews. Die Gespräche mit dem Grenzsoldaten Reinhard Laske über seine Aufgaben an der Grenze zu West-Berlin sind allerdings weitgehend inszeniert, seine Äußerungen erwartungsgemäß systemkonform. In Interviews mit seinen Eltern, seiner Freundin und Arbeitskollegen versucht der Film, seine Persönlichkeit weiter zu ergründen, um dann doch das Idealbild eines DDR-Grenzsoldaten zu zeichnen, der auf die Parole, Grenz-durchbrüche nicht zuzulassen, mit „Befehl ist Befehl“ antwortet.

  49. Montag, 9. Mai 2016, 19.00 Uhr, Arsenal, FilmDokument 184, Aluminium – Porträt eines Metalls (BRD 1958, R: Willy Zielke, 13') und Schöpfung ohne Ende (BRD 1956, R: Karl G’Schrey, 72’)Schöpfung ohne Ende_Handout.pdf – Das bundesdeutsche Wirtschaftswunder im Spiegel zweier repräsentativer Industriefilme. Beeindruckende Naturaufnahmen, aufw
    ändige Kamerafahrten und nie gesehene Mikro- und Makroaufnahmen zeichnen die Selbstdarstellung der Farbenfabriken Bayer in SCHÖPFUNG OHNE ENDE (BRD 1956) von Karl G’Schrey aus. In der Welt der angewandten Chemie geschieht alles nur zum Bestens der Menschheit: Schädlings-bekämpfung und synthetische Fasern, Farbstoffe und Farbfilm. ALUMINIUM – PORTRÄT EINES METALLS (BRD 1958) ist eine Auftragsproduktion des Interessenverbandes Aluminium-Zentrale e.V.. Willy Zielkes Kamerablick, geschult am Neuen Sehen der 1920er Jahre, schwelgt in präzise gebauten Nahaufnahmen. Beide Filme begleitet Oskar Sala mit elektrischen Klängen am Mixturtrautonium, dem Sound der Nachkriegsmoderne.
  50. Donnerstag, 14. April 2016, 20.00 Uhr und Sonntag, 17. April, 18.00 Uhr, Zeughauskino, Berlin.Dokument 53: Ost-Berlin – Internationaler Flair53. Handout Ost-Berlin Internationales Flair.pdf – Die Selbstdarstellung Ost-Berlins in den 1960er Jahren hebt neben den sozialen Leistungen der DDR stets auch ihren internationalen Charakter hervor. RBI – Radio Berlin International (1966) stellt den Auslandsrundfunk der DDR vor, der in zahlreichen Sprachen die Errungenschaften des Sozialismus propagiert. – Berlin heute (1966) porträtiert Ost-Berlin als internationale Stadt mit modernen Arbeitsplätzen und einer hohen Lebensqualität: Großes Warenangebot in den Supermärkten, einladende Spielplätze für die Kinder und breit aufgestellte Freizeitangebote. An Hauptsehenswürdigkeiten werden die Straße Untern den Linden und das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park vorgestellt. Auf den Bühnen der Stadt sind Louis Armstrong und Juliette Gréco ebenso zu Gast wie Ensembles aus Afrika und Indien. Zur Militärparade am 1. Mai 1966 ist ganz Berlin auf den Beinen und die Partei- und Staatsführung mischt sich unters Volk. – Zu den 10. Berliner Festtagen 1966 wird das Alten Museum wieder eröffnet. Das DDR-Magazin 34/1967 zeigt zudem Ausschnitte aus den zahlreichen Theater- und Opernaufführungen mit Gästen aus aller Welt. –Arbeitsplätze, vor allem aber Nischen der Entspannung und Orte des persönlichen Glücks stellt Chanson von der Spree (1965) vor: Verladearbeiter und Taucher, Angler und Ausflügler sowie Liebespaare, die am Ufer ein stilles Plätzchen suchen. Dazu singen Gisela May, Manfred Krug, Regina Thoss und der Studiochor Leipzig.

  51. Sonntag, 20. März 2016, 18.00 Uhr und Mittwoch, 23. März, 20.00 Uhr, Zeughauskino, Berlin.Dokument 52: Berliner Kaleidoskop52. Berliner Kaleidoskop Handout.pdf – In den 1960er Jahren wird die Darstellung Berlins im Dokumentarfilm abwechslungsreicher und bunter. Neue Stilmittel jenseits der herkömmlichen Postkarten-ansichten werden erprobt. Ansätze dazu gab es bereits in den 1950er Jahren, etwa wenn Herbert Lander 1956 in Eine Schlagader der Großstadt die Berliner U-Bahn nur durch ihre vielfältigen Geräusche und Stationsdurchsagen charakterisiert. Auch die 1969 von Herbert Victor in Noch 49 Stunden montierten Eindrücke vom Berliner Sechstagerennen wirken vor allem durch die faszinierende Geräuschkulisse dieses volkstümlichen Sportereignisses. [Film entfällt] In Berliner Kaleidoskop (1960) illustriert Manfred Durniok die von dem Zeichner Robinson in seinem Buch Berlin halb und halb mit spitzer Feder porträtierte Viersektorenstadt. In Mit 18 nach 18 (1960) zeigt Hansjürgen Pohland unaufgeregt die vielfältigen Angebote der vom West-Berliner Senat finanzierten Jugendheime vor, während Peter Cürlis in Alpen auf berlinisch (1967) die aus dem Trümmerschutt entstandenen neuen Naherho-lungsgebiete dokumentiert. Auch die DEFA experimentiert mit aufgelockerten Formen. Meister Zacharias und seine acht goldenen Zeiger (1958) nimmt die Uhren des Roten Rathauses zum Anlass, um Kindern einen Tagesablauf in Berlin vorzustellen. Und in der Fensterputzerserenade (1960) wirft Rolf Schnabel einen frisch-frechen Blick auf den Ost-Berliner Alltag.

  52. Dienstag, 23. Februar 2016, 20.00 Uhr und Donnerstag, 25. Februar, 20.00 Uhr, Zeughauskino, Berlin.Dokument 51: Berlin in den Sechziger Jahren: TOWARISCH BERLIN (UdSSR 1968) 51. Towaritsch Berlin Handout.pdf – Zum 20. Jahrestag der DDR 1969 realisiert der bekannte sowjetische Dokumentarist Roman Karmen eine aufwändig in Farbe und Totalvision gedrehte Reportage über Ost-Berlin. Karmen hatte als Frontkameramann beim Vormarsch der Roten Armee die deutschen Gräueltaten in der Sowjetunion und den Fall von Berlin gefilmt; damals habe es „kein schlimmeres Wort als Berlin“ gegeben. Jetzt stellt er die Hauptstadt der DDR als TOWARISCH BERLIN und als Symbol für ein neues Deutschland vor. Für die Sowjetmenschen habe es immer zwei Deutschlands gegeben: das Land der sozialistischen Arbeiterbewegung und das des Faschismus. Immer wieder erinnert er an die schmerzlichen Kriegserfahrungen, die nicht vergessen werden dürfen. Es ist wohl diesem persönlichen Blick geschuldet, dass Karmen, auch wenn er den Bau der Berliner Mauer politisch rechtfertigt, sie dennoch als „Wunde im Herzen vieler Berliner“ bezeichnet. – Das DDR-MAGAZIN 2/1969 zeigt Auftritte ausländischer Künstler wie Louis Armstrong, Gilbert Bécaud, Igor Oistrach und des Dirigenten Aram Chatschaturjan in Ost-Berlin als einem „Zentrum der Weltkultur“. Das farbige Magazin DDR – DAS SIND WIR (1968) stellt neben dem VEB Zementanlagenbau Dessau und dem Volkskünstler Willi Streicher auch den Umbau Ost-Berlins zur sozialistische Hauptstadt vor: „Frei von jeglicher Spekulation“ entstehen am Alexanderplatz „großzügige, weiträumige Bauensembles“.

  53. Mittwoch, 6. Januar 2016, 20.00 Uhr und Sonntag, 10. Januar, 18.00 Uhr, Zeughauskino, Berlin.Dokument 50: Berlin in den Sechziger Jahren: Berlin-Experiment50. Handout Berlin-Experiment.pdf – In den 1960er Jahren zeigen sich zaghafte Versuche, die ausgetretenen Pfade des Kulturfilms zu verlassen. Das gilt auch für die Darstellung Berlins im dokumentarischen Film. 1960 überrascht Hansjürgen Pohland mit dem jazzigen Experimentalfilm Schatten über die harten Kontraste und die Schattenseiten der Großstadt. In Unter der Oberfläche (1960) filmt Manfred Durniok die wilden Tänze in einer Berliner Rock’n’Roll-Kneipe in Zeitlupe. Der melancholisch-surreale Tanzfilm Allemande im Herbst (1963) von Roland Verhavert arrangiert seine Figuren dagegen vor der romantischen Kulisse des Schlossparks Charlottenburg. 3500 m Boulevard (1967) ist eine ironische Hommage an den Kurfürstendamm als West-Berlins elegantester Geschäfts- und Vergnügungsstraße. In Wir aber müssen unten leben (1969) zeigt Manfred Durniok West-Berlin aus der Luft, um dann für Einzelbeobachtungen in den Alltag etwa eines Fitnessstudios, eines Operationssaals, einer Ballettprobe, einer Beerdigung oder zu Aschinger am Zoo hinabzusteigen. Einen ganz anderen Blick auf Berlin und seine Arbeitswelt wirft der DEFA-Film Stars von 1963. In diesem Gruppenporträt lässt Jürgen Böttcher Frauen aus einer Brigade des Berliner Glühlampenwerks selbst zu Wort kommen; lachend und scherzend kommentieren sie ihre harten Arbeitsbedingungen am Fließband.